Der Flug: Ist es eigentlich okay zu fliegen?

Es ist lange her, dass wir das letzte Mal geflogen sind. Tatsächlich ist es über 3 Jahre her und zwar waren wir mit unserem Erstgeborenen, der damals knapp vier Monate alt war, nach Marokko gereist.

Dieses Mal haben wir uns nun also mit zwei Kindern auf den Weg nach Teneriffa begeben. Zusätzliche Herausforderung diesmal: die Pandemieumstände. Zwar hatten wir uns fest vorgenommen vor der Reise nicht krank zu werden, da man momentan ja schon bei dem kleinsten Räuspern schief angesehen wird. Aber natürlich hatten wir alle einen fürchterlichen Schnupfen bekommen und das, obwohl wir den Großen extra eine Woche vor Abflug nicht mehr in den Kindergarten geschickt haben. Unsere größte Sorge war natürlich, dass wir eine Begegnung mit Omikron machen und nicht fliegen dürfen.

Nach negativen Tests, Gesundheitszertifikaten und Formularen zur Einreise konnten wir nun endlich einchecken. Bei jedem Hüsteln oder Nasehochziehen von den Zwergen (Dauerzustand bei uns im Winter) fing ich allerdings jedesmal an zu schwitzen, weil ich befürchtete, man würde uns das Fliegen doch noch verbieten. Aber alles easy. Die Probleme machte da eher mein Mann mit den Dreadlocks: Total klischeehaft wurde er bei jeder Kontrolle rausgewunken: Gepäckkontrolle in Luxemburg, Gesundheitskontrolle auf Teneriffa. Und ich? Ja, ich habe dann halt jedesmal mit zwei quengelnden kleinen Kindern gewartet. Aber alles gut, wenigstens werden Familien mit kleinen Kindern als erste zum Boarding aufgerufen! Das werden sie… allerdings schienen eine Vielzahl an etwas höher betagten Passagieren das nicht verstanden zu haben – trotz Durchsage in mindestens drei Sprachen. Da kann ich nur den Kopf schütteln und mich über mich selber ärgern, dass ich nicht dreist genug bin auf mein bzw. unser Recht zu bestehen.

Irgendwann haben wir es dennoch in das relativ kleine Flugzeug geschafft und sowohl der kleine als auch der große Zwerg waren trotz unglaublicher Müdigkeit enorm von der Maschine fasziniert. Wegen dem Druckausgleich beim Starten und Landen haben wir dem Großen ein Bonbon gegeben, während ich das Baby gestillt habe. Ursprünglich war mein Plan Yaro einfach den Schnuller zu geben aber da hat sich das Baby doch kurzerhand vor der Reise mal dazu entschlossen sich davon zu entwöhnen. Was ich übrigens super finde: Luxair schreibt explizit auf ihrer Website, dass stillen bei ihren Flügen am Sitzplatz möglich ist. Das sollte zwar selbstverständlich sein, allerdings ist Stillen in der Öffentlichkeit ja immer noch ein großes Thema.


Nach vier Stunden Flugzeug waren die Kinder immernoch wach, allerdings eher wie apathische Zombies. Nael war aber selbst in diesem Zustand noch fähig uns ununterbrochen mit Fragen zu löschern: Wann sind wir endlich da? Was passiert, wenn man diesen Knopf drückt? Sind wir im Universum?
Schließlich setzte das Flugzeug zum Landen an und in diesem Moment schlief das Baby ein.

Und ich frage mich die ganze Zeit -während des Fluges und während dem Schreiben dieses Artikels-, ob das überhaupt okay ist, so eine Flugreise zu machen, obwohl wir uns doch mitten in der Klimakrise befinden. Die Ethnologin in mir erwidert dann aber: Es ist wichtig den Kindern etwas von der Welt und ihrer Vielfalt an Menschen, Kulturen und Natur zur zeigen, damit sie lernen wie wichtig Respekt, Toleranz und der nachhaltige Umgang mit Ressourcen ist.
Aber mal ernsthaft, wieviel CO2-Emissionen gehen durch diesen Flug eigentlich auf unser Konto? Ich habe mal mit Hilfe des Emissionsrechner nachgeschaut und es sind 176,40 kg CO2 pro Person und pro Flug. Das bedeutet, dass wir als Familie für den Hin- und Rückflug anteilsmäßig 1411,2 kg CO2 freigesetzt haben. Eine Buche kann im Durchschnitt 12 kg des Gases binden. Wir müssten also ziemlich viele Bäume, nämlich um genau zu sein 118 pflanzen, um unseren Flug zu kompensieren. Da werden wohl die paar Bäume und Sträucher, die wir in letzter Zeit gepflanzt haben wohl nicht ausreichen. Eine Alternative bieten Organisationen, wie Atmosfair. Hier hat man die Möglichkeit seinen CO2-Fußabdruck zu kompensieren, indem man in regenerative Projekte investiert und so mithilft an anderer Stelle Treibhausgase einzusparen. Im Prinzip eine gute Sache, die aber nicht dazu genutzt werden sollte, um die Eigenverantwortung abzuschieben. Es ist und bleibt eine Crux.

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