Elternzeit auf Teneriffa

Wir verbringen einen Monat unserer Elternzeit, die wir fürs Reisen mit unseren zwei Söhnen nutzen, auf der Atlantikinsel Teneriffa. Erfahrt hier, was wir auf den Kanaren erleben und wie das Leben dort aussieht.

Eine gute Freundin fragte mich kurz vor der Abreise, was wir denn auf so einer hässlichen Insel wie Teneriffa wollen würden. Sie wäre vor vielen Jahren mal dort gewesen und es wäre so karg und zugebaut gewesen. Hier nun meine Antwort darauf: Wir wollen Vulkane umwandern, in Naturgesteinpools schnorcheln, mit den Kindern gigantische Sandburgen aus Lavasand bauen, Drachen- und Feenbäume anschauen und Walen in ihrem natürlichen Lebensraum begegnen.

Von Süd nach Nord durch das Tenogebirge

Das Tenogebirge trennt den Norden vom Süden, wodurch zwei verschiedene Klimazonen entstehen. Der Süden ist sonnig und trocken, der Norden etwas kühler und grüner.

Unsere Reise startet im Süden Teneriffas, aus dem Grund, dass unsere Airline nur Teneriffa Süd anfliegt. Unser Ziel ist allerdings der Norden der Insel, wo sich auch ein Flughafen befindet. Da wir nun bis zu unserer ersten Unterkunft in Buenovista del Norte eine Fahrt von ca. anderthalb Stunden zurück legen müssen und neben den zwei kleinen Kindern auch einiges an Gepäck dabei haben, greifen wir auf einen Mietwagen zurück. Da kriegen wir auch gerade so den Buggy, die zwei Koffer (einer davon fast ausschließlich für Stoffwindeln), den Rucksack und das Kameraequipment unter. Wir haben mit dem Mietwagen im Vorhinein auch zwei Kindersitze geordert, wobei wir uns mit dem „Babysitz“ ein bisschen schwertun. Beim nächsten Mal würde ich definitiv die Babyschale mitnehmen. Die Dame von der Autovermietung erklärt zwar, dass die Polizei hier nicht so strikt kontrollieren würde, aber das ist ehrlich gesagt nicht der Grund, weshalb wir Kindersitze verwenden!

Sobald wir losgefahren sind, schlafen schon die Kinder und uns macht die Hitze zu schaffen. Wir müssen uns wohl erstmal akklimatisieren, immerhin kommen wir aus dem eisigen Deutschland bzw. Luxemburg. Die Zeitumstellung von einer Stunde macht uns da nicht so viel aus… das denken wir auf jeden Fall, bis uns die Kinder einen Strich durch die Rechnung machen. Die nächsten Tage werden sie schon zwischen 3:30 Uhr und 4:00 Uhr morgens aufwachen.

Als wir durch die karge und eher unschön bebaute Gegend des Südens fahren, muss ich an meine Freundin denken: Hatte sie wirklich Recht? Gigantische Hotelkomplexe, Bauruinen, ummauerte Bananenplantagen. Ist das alles? Nein, ist es nicht! Um in den Norden der Insel zu gelangen müssen wir durch das Tenogebirge fahren und es ist wunderschön! Wir machen mehrere Stops, um die Aussicht zu genießen, die frische Bergluft einzuatmen und um Kakteen und gigantische Agaven zu bewundern.

Nach langem kurvenreichem auf und ab erreichen wir schließlich das Örtchen Buenovista del Norte (schöner Ausblick des Nordens). Hier ist es tatsächlich üppiger als im Süden. Die Adresse unserer Unterkunft führt uns zwar immer wieder zu Bananenplantagen aber nach einem kurzen Telefonat auf gebrochenem Spanisch mit unseren Gastgebern finden wir schließlich das kleine orange-rote Häuschen, in dessen Einliegerwohnung wir für die nächsten Tage wohnen werden.

Hola chiquitito! Unsere typisch kanarische Unterkunft

Buenavista del Norte und raue Felsenstrände

Buenavista del Norte ist eine kleine verschlafene Stadt im Nordwesten Teneriffas mit einem sehr schönen Stadtkern. Hier ist der Massentourismus glücklicherweise noch nicht angekommen, obwohl es um den Ort herum viel zu entdecken gibt. Samstagvormittags gibt es auf der Plaza de los Remedios einen winzigen Wochenmarkt, wo wir uns endlich mit Bio-Obst und Gemüse eindecken können. Es ist nämlich ansonsten gar nicht so einfach an Bio- oder Vollkornwaren zu gelangen. Es gibt hier außerdem selbstgemachten Ziegenkäse- eine lokale Spezialität.

Playa de las Arenas, ein schöner Ort, um wilde Natur zu genießen

Die Umgebung von Buenavista erkunden wir durch kleine Wanderungen. Wer weiße Sandstrände sucht, ist hier falsch. Aber wer der Natur näher kommen möchte, so wie wir, der ist hier genau richtig. An unserem ersten Tag spazieren wir entlang der Playa de las Arenas. Es ist beeindruckend dort die Wellen anrollen und an den Felsen bersten zu sehen. Beide Kinder finden das super spannend aber Nael ist traurig, dass der Sandstrand nicht da ist, der eigentlich da sein sollte und er nicht baden kann. Nach einer kurzen Recherche finden wir heraus, dass der Playa de las Arenas nur im Sommer Sand innerhalb der Felsbucht hat. Im Herbst wird dieser wieder von den Fluten weggespült. Schade. Das macht aber nichts, denn über die Felsen führt ein schön ausgebauter kleiner Weg, gesäumt von Kakteen, Agaven und anderen schönen Pflanzen. Und Nael freut sich auch über die vielen Lavasteine, auf die er klettern kann.

Der Natursteinpool in Los Silos lädt zum Baden ein

An einem anderen Tag machen wir uns auf den Weg in den Nachbarort Los Silos. Dort gibt es einen steinigen Surferstrand, einen Naturpool und ein gigantisches echtes Walskelett.

Von Feen- und Drachenbäumen

Unser Großer, der mit seinen dreieinhalb Jahren ja immer noch recht klein ist, muss manchmal ein wenig zum wandern motiviert werden. Doch zum Glück hält Teneriffa magisch anmutende Natur bereit. Oberhalb gelegen im Naturpark Corona Forestal befinden sich märchenhafte Pinienwälder. Die kanarischen Pinien sind mit langen hinunterhängenden Flechten bewachsen, so dass sie wie Feenbäume aussehen. Mein Sohn schwört außerdem darauf einen Zwergenbart aus einer Baumspalte heraushängen gesehen zu haben. So laufen wir also durch die Wälder auf der Suche nach Feen, Elfen und Zwergen. Manchmal findet Nael aber auch besondere Äste, die dann als Schwert, Besen oder was er sonst gerade so zum Spielen benötigt, genutzt werden.

Wolken ziehen durch den Corona Forestal

Aber nicht nur Feenbäume kreuzen unsere Wege. Auf Teneriffa gibt es sogar auch Drachenbäume. Ein ganz besonders altes und somit auch großes Exemplar befindet sich in Icod de los vinos: Der Drago Milenario wird auf bis zu 1000 Jahre geschätzt. Sein tatsächliches Alter kann jedoch nicht festgestellt werden, da der Drachenbaum keine Jahresringe bildet (genaugenommen handelt es sich nämlich gar nicht um einen Baum, sondern um eine baumartige Pflanze). Wir finden den Baum beeindruckend aber fast noch besser gefällt uns die botanische Gartenanlage, in welcher sich el Drago befindet. Unser Baby hat allerdings nur Augen für die Hühner, die hier frei herumlaufen.

Schau in den nächsten Tagen nochmal vorbei, um über unsere Highlights – die Vulkanwanderung und das Whale Watching- zu lesen

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