Spontaner Abstecher in den Kosovo

Mit Kindern und Van in den Kosovo? Wir sind von Land und Menschen positiv überrascht und berichten Euch in diesem Artikel von unseren Lieblingsplätzen.

Der Kosovo stand bisher nie auf unserer Reiseliste, jedoch hatten wir das Glück beim Campen in Albanien auf eine Deutsch-Kosovarische Familie zu treffen, welche uns in die nur zwanzig Minuten entfernte Stadt Gjakova einlud. Da wurden wir natürlich neugierig und beschlossen unsere Reiseroute ein wenig zu ändern und einen Abstecher in den Kosovo zu machen.

„Wie sind eigentlich die Einreisebedingungen?“ fragte ich Yanko als wir in der Schlange zur Grenzkontrolle standen. Wir wussten es beide nicht und in diesen Momenten hat man natürlich nie WiFi in der Nähe! Als wir dann schließlich an die Reihe kamen wurden wir erstmal an den Seitenstreifen beordert. Es stellte sich heraus, dass wir zur Einreise eine gültige Versicherung benötigten und unsere den Kosovo natürlich nicht abdeckte. Auf sowas sind die Beamten dort aber eingestellt, so dass wir nach einer etwas längeren Wartezeit für 15 € (ja, die Währung im Kosovo ist der Euro) einen Versicherungsschutz abschließen konnten und schließlich die Grenze passieren durften.

„Was erwartet uns eigentlich im Kosovo?“ fragten wir uns auf der Weiterfahrt nach Gjakova. Ich überlege und komme zu der Feststellung, dass ich noch nie jemanden getroffen habe, der mir von seinem tollen Kosovourlaub erzählt hat. Dann bin halt nun ich diejenige, die Euch davon erzählt!

Gjakova: Von traditionellem Kunsthandwerk und Hipster-Bars

Szeneviertel in der Altstadt

Unsere Gastgeber trafen wir bei einer großen Openair-Bar in einer Parkanlage am Rande von Gjakova -einer Stadt im Südwesten des Kosovos-. Das Ambiente wirkte schon fast wie auf einem Festival. Sogar eine Gruppe Menschen hatte sich dort versammelt, um gemeinsam Musik zu machen und zu tanzen! Nebendran gibt es sogar Campingplätze in demselben Style!

Weiter ging es in die Altstadt von Gjakova, welche aus alten Holzhäusern besteht. Auf dem Weg dorthin legten wir noch einen kleinen Snackstopp in einer wunderbaren Bäckerei ein. Dort gab es allerlei Variationen an süßem Gebäck, größtenteils aus Blätterteig. Aber auch salzige lokale Spezialitäten, wie Fladenbrot und Sesamgebäck werden dort gefertigt. Taulant, der in Gjakova aufgewachsen ist, erklärte uns, dass man hier im Kosovo seinen Auflauf zum Bäcker bringen kann, damit er dort im Ofen gebacken werden kann. Das ist natürlich für Van-Reisende,wie wir es sind, eine praktische Angelegenheit. Immerhin kochen wir seit Wochen nur auf unserem Gaskocher!

Aber zurück zu der einzigartigen Altstadt, welche im 15. Jahrhundert entstanden ist: Im Zentrum befinden sich eine alte pittoreske Moschee und eine Taverne, welche wohl beide darauf bestehen, das älteste Gebäude der Stadt zu sein.

Blick in den Innenhof der Hadum-Moschee, welche im 16. Jahrhundert erbaut wurde
Wunderschöne Ornamente verzieren den Eingangsbereich der Moschee
Alte Gräber innerhalb der Anlage

Das Stadtbild war früher hauptsächlich durch traditionelle Kunsthandwerksläden geprägt, von denen nurnoch einige übrig sind. Besonders verzierte Holzarbeiten, wie Babywiegen, werden hier heute immer noch gefertigt. Schade, dass unser Küken schon aus dem Wiegenalter rausgewachsen ist!

Den Tag ließen wir gemütlich in einer alternativen Musikbar in der Gastro-Meile ausklingen. Dabei darf natürlich kein Raki fehlen (zumindest für diejenigen, die Alkohol trinken).

Abends durften wir in der super modernen Wohnung unserer neuen Freunde übernachten und bekamen von ihnen sogar noch ein kleines Wohnzimmerkonzert -Balkanmusik natürlich!

Tausend und eine Schildkröte am See Radoniqit

Der nächste Geheimtipp unserer Gastgeber: Chillen und baden am Stausee! Mittlerweile sind die Temperaturen fast auf 30 Grad angestiegen und wir bekommen jeden Tag mehr die erdrückende Wucht der Sonne zu spüren. Zum Glück brachte uns Taulant an einen idyllischen schattigen Platz am See. Auf dem Weg dahin kreuzten immer wieder Schildkröten unseren Weg. Für die Einheimischen war das wahrscheinlich nicht sonderlich spektakulär, für uns war das allerdings Safarifeeling pur! Das Schwimmen im See ist zwar anscheinend mittlerweile offiziell verboten aber wir sind natürlich trotzdem reingesprungen!

Prizren: Der kulturelle Hotspot des Kosovos

Nachdem wir uns von Taulant und seiner Familie verabschiedet hatten, machten wir uns nun alleine auf den Weg in die zweitgrößte Stadt im Kosovo. Prizren, wo historischer Stadtkern und stylische Hipsterläden miteinander verschmelzen, zog uns sofort in seinen Bann.

Das Hamam Gazi Mehmet Pascha aus dem 15. Jahrhundert

Über eine kleine alte Brücke schlenderten wir in die Altstadt, wo Moscheen und alte Kirchen das Stadtbild prägen. In den schnuckeligen Altstadthäuschen sind größtenteils sehr hübsche Cafés eingerichtet, so dass wir uns kaum entscheiden konnten, wo wir uns hinsetzen wollten. Sehr praktisch: große Bäume spenden Schatten, so dass man auch bei heißen Temperaturen entspannt draußen sitzen kann!

Nach dem Genuss eines guten Kaffees wurde ich von einem Schaufenster im Stadtkern ganz besonders angezogen: Einem Spirituosenladen! Der Traum einer stillenden Mama! Es war aber tatsächlich die künstlerische Gestaltung des frisch eröffneten Ladens, welche mir ins Auge viel. Wir wurden sehr freundlich empfangen und Yanko durfte den ein oder anderen Likör, Raki und Vodka probieren, welche alle lokal im Familienunternehmen produziert werden. Die individuellen Artworks der Flaschen sowie die Gestaltung des Geschäfts hat die Ladenbesitzerin selbst designt.

Ich persönlich finde, dass das Land einen jungen Spirit hat- aber das ist vielleicht auch nicht verwunderlich bei einem Altersdurchschnitt von ca. 30 Jahren. Wir sind richtig begeistert von der Atmosphäre, der Gastfreundschaft und der Kultur im Kosovo und wollen auf jeden Fall auf unserer Rückreise noch mal dorthin zurückkehren, um mehr von dem kleinen Balkanland zu sehen!

Hinterlasse einen Kommentar

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑