Wir sind mit unserem Van in den Kosovo zurückgekehrt und verraten Euch, warum das kleine Balkanland unsere Herzen erobert hat und warum es unbedingt eine Reise wert ist.
Wir Ihr vielleicht schon gelesen habt, sind wir im Mai spontan und ungeplant im Kosovo gelandet. Da es uns dort so gut gefallen hatte und wir einige nette Kontakte mit Kosovo-Albanern knüpfen konnten, haben wir auf unserer Rückreise extra zwei Wochen eingeplant, um Land und Menschen noch besser kennen zu lernen.
Campen im Kosovo

Es macht besonders Spaß den Kosovo zu bereisen, weil er touristisch noch nicht so überlaufen ist, wie manch anderes europäisches Land. Obwohl sich im ganzen Land sehr viele Hotels, Hütten und Gasthäuser befinden, haben sich Campingplätze noch nicht durchgesetzt. Das hat uns natürlich nicht davon abgehalten den Kosovo mit dem Van zu bereisen! Die folgenden Möglichkeiten gibt es einen Stellplatz zu finden:
Wildcampen
Wildcampen ist im Kosovo nicht verboten, weshalb man sich einfach einen gemütlichen Spot zum Freistehen suchen kann. Weil es allerdings nicht immer so leicht war einen geeigneten Platz zu finden, haben wir uns bei den Locals durchgefragt.
Restaurantparkplätze
Schnell haben wir gemerkt, dass Restaurantparkplätze eine gute Alternative zum Freistehen darstellen. Sie bieten einen sicheren und meist sauberen Stellplatz, Zugang zu WiFi und anderen Annehmlichkeiten. Wir haben es außerdem geschätzt auf diese Weise mit den Locals in Kontakt zu kommen. Einige Restaurants und Attraktionen (wie die Bärenauffangsstation oder die Bistros bei den Mirusha Wasserfällen) bieten bereits an auf ihren Parkplätzen zu campen. Unserer Erfahrung nach lohnt es sich auf jeden Fall Gastrobetreiber vor Ort anzusprechen. Auf diese Weise haben wir auch eine Nacht bei einem Restaurant mit Forellenzucht verbracht. Unsere Kinder haben sich über den dazugehörigen Spielplatz gefreut und die Betreiberfamilie darüber, dass wir ihnen geholfen haben sie auf Park4night zu setzen. Hier hat unser Kleiner übrigens seine ersten Schritte gemacht!
Campingplätze
Campingplätze sind im Kosovo noch absolute Raritäten, aber es gibt sie! Auf einem der wenigen Campingplätzen sind wir gewesen und waren überwältigt von der Gastfreundschaft, die uns dort entgegengebracht wurde! Bei dem Campingplatz handelt es sich um das Gartengrundstück hinter dem Familienhaus von Tina und Sahit in dem historischen Städtchen Junik. Sie haben ihr Zuhause (d.h. auch ihr eigenes Badezimmer) für Camper geöffnet, um langfristig einen richtigen Campingplatz aufzubauen und dem Campingtourismus im Kosovo eine Tür zu öffnen!



Die Sicherheitslage im Kosovo
Ist es überhaupt sicher im Kosovo zu reisen? Gerade weil wir mit zwei kleinen Kindern unterwegs sind, spielt für uns die Reisesicherheit mittlerweile eine größere Rolle. Laut Auswärtigem Amt ist die Sicherheitslage im Kosovo grundsätzlich ruhig und stabil, abgesehen von einigen Gemeinden im Norden des Landes, wo die Lage noch als angespannt gilt. Der Kosovo gilt mittlerweile auch weitgehend als minenfrei, zur Sicherheit sollten befestigte Wege und Orte allerdings nicht verlassen werden. Davon abgesehen, würde ich mich auch auf Grund von Wildtieren, wie Schlangen, nicht durchs Unterholz schlagen wollen.
Zur Wahrung des Friedens und der nationalen Sicherheit ist außerdem die internationale KFOR-Truppe (Kosovo-Force) im Land präsent.
Da Serbien die Unabhängigkeit des Kosovos nicht anerkennt, ist es für Reisende nicht möglich vom Kosovo aus nach Serbien weiterzureisen.
Während unserer Reise haben wir uns nie unsicher gefühlt- im Gegenteil: Alle Menschen, denen wir begegnet sind -unabhängig ihrer ethnischen Zugehörigkeit-, haben uns willkommen geheißen und uns ihre Gastfreundlichkeit spüren lassen.
Die Vidasus Destillerie: Von Mythen, Kunst und Spirituosen

Unweit von Gjakova in einem kleinen Dorf namens Nivokaz befindet sich die Vidazus Destillerie. Dies ist der Ort an dem die einzigartigen Spirituosen hergestellt werden, welche wir in Brikenas Laden Syrrush in Prizren kennen gelernt haben. Wir wollten mehr über die lokalen alkoholischen Köstlichkeiten erfahren und wurden freundlicherweise von Meister-Destillateur und Eigentümer Ali empfangen.
Er erklärte uns, dass seine Spirituosen aus regionalen sowie pestizidfreien Zutaten erzeugt werden. Kräuter und Beeren für den Gin werden beispielsweise aus den Verwunschenen Bergen bezogen. Und Brikenas Weintrauben (ein Familienvermächtnis) werden für den Syrrush-Raki verwendet.Hergestellt werden in seiner Brennerei Raki, Vodka, Gin sowie diverse Liköre. Wir finden es besonders spannend, wie die lokalen hochprozentigen Spezialitäten hier neu interpretiert werden.
Der Haselnusslikör ist beispielsweise mit Veilchen aromatisiert und der hauseigene Vodka spielt mit seinem Namen Vodkulla auf die landestypischen steinernen Hausfestungen (Kulla genannt) an. Die Verwobenheit mit kulturspezifischen Elementen und Legenden findet sich auch in den kunstvoll gestalteten Flaschendesigns wieder!
Interessant zu wissen: Die Brennerei ist nach dem illyrischen Gott Vidasus benannt. In der illyrischen Mythologie stellt er die Gottheit des Waldes und der Natur dar. Die Illyrer gelten als Vorfahren der Albaner und sind somit das Pendant zu unseren Kelten und Germanen.



Prost auf kosovo-albanisch? Brohoritje!
Bärenauffangstation Prishtina

In den Wäldern des Kosovos gibt es noch Bären. Es ist jedoch ziemlich unwahrscheinlich ihnen in der Natur zu begegnen. Wer dennoch eine artgerechte Möglichkeit sucht auf die großen Waldbewohner zu treffen, der wird unweit der Hauptstadt Prishtina fündig. Hier befindet sich eine von der Tierschutzorganisation Four Paws gegründete Bärenauffangsstation. Das geräumige Gelände bietet zwanzig Bären ein zuhause, welche in der Vergangenheit misshandelt bzw. illegal gehalten wurden und daher nich mehr ausgewildert werden können. Das Besondere an dieser Auffangstation: Sie ist als modernes Umweltbildungscenter konzipiert, so dass Kinder (aber auch Erwachsene) explorativ während dem Rundgang um die Gehege einiges über das kosovarische Wildtierleben erfahren können. Spielplätze und ein vegan-vegetarisches Restaurant runden das Erlebnis ab. Bei einem Eintritt von 2 € für Erwachsene kann man sich auf jeden Fall noch ein schönes selbstgemachtes Andenken im künstlerischen Souvenirladen leisten! Da ich immer wieder auf der Suche nach Zooalternativen bin, habe ich mich sehr darüber gefreut dieses Projekt kennen zu lernen.
Vegetarische Spezialitäten im Kosovo
Was für mich vor über zehn Jahren beim Reisen noch zum Problem wurde, macht mir heute zum Glück keine Sorgen mehr: Mittlerweile lassen sich so gut wie auf jeder Speisekarte auch vegetarische Gerichte finden. Richtig zufrieden bin ich allerdings erst, wenn es lokale vegetarische Spezialitäten gibt! Der Kosovo hatte mich schon mit Burek (wahlweise gefüllt mit Spinat, Joghurt oder Käse), Salat (kein Salat ohne Feta!) und Tarator (die kosovarische Version von Tsatsiki). Aber so richtig vom Hocker gehauen hat mich das traditionelle Gericht Fli, welches aus unzähligen Teig- und Sahneschichten mühevoll in einer Metallform über dem Feuer gebacken wird.



Wir hatten das Glück zu einem Fli-Essen eingeladen zu werden und konnten erleben wie das Gourmet-Kunstwerk Schicht um Schicht über fast drei Stunden wuchs. Serviert wurde das fertige und übrigens sehr sättigende Fli mit Schmand, Tomaten und Frühlingszwiebeln.
Fast ebenso begeistert waren wir, als wir in der Altstadt von Prizren zufällig ein vegan-vegetarisches Restaurant fanden. Im Noja Kuzhine gibt es neben Falaffeln und Linsenwraps auch traditionelle Nudelgerichte. Eine Tagessuppe bekommt man dort sogar schon ab 1,50 €.

Klettern und Klippenspringen bei den Mirusha Wasserfällen
Neben den verwunschenen Bergen sind die im Westen des Kosovos gelegenen Mirusha Wasserfälle das Naturhighlight. Der Fluss Mirusha bildet hier auf unterschiedlichen Ebenen mehrere Wasserfälle. Diese können durch einen Klettersteig erkundet werden. Am untersten Wasserfall befindet sich außerdem ein winziger See, in welchen man von einer Ebene höher hineinspringen kann. Die netten jungen Männer von den Bistros, welche sich direkt an dem See befinden, haben uns außerdem angeboten ein bisschen mit ihrem Boot herum zu paddeln.

Die verwunschenen Berge: Outdooraction in der Rugova-Schlucht

Wer meinen Albanien Artikel über die verwunschenen Berge gelesen hat, weiß bereits wie begeistert wir von dem alpinen Gebirgszug waren, welcher sich über Albanien, Montenegro und den Kosovo zieht. Da wir bisher nur die albanische Seite gesehen hatten, wollten wir uns auf jeden Fall nicht den kosovarischen Teil entgehen lassen.
Von der kulturreichen Stadt Peja aus, erreicht man die malerische Rugova-Schlucht, durch welche der wilde Bergfluss Lumbardhi i Pejes fließt. Peja ist übrigens ein guter Startpunkt, um die legendäre Peaks of the Balkan- Wandertour zu beginnen. Wir haben einige Wanderer getroffen, die ambitioniert eine nach der anderen Bergspitze der Westbalkanregion am erklimmen waren und von ihren Abenteuern in abgelegenen Bergdörfern berichteten. Diese besondere Wandertour bringt auf der einen Seite die Länder näher zusammen und bietet Wandertouristen die Möglichkeit neben wilder Natur auch die Gastfreundschaft der einheimischen Menschen kennenzulernen. Diesesmal haben wir die Gegend nur mit unserem Camper erkundet aber wenn die Kinder größer sind steht die Peaks of the Balkans-Tour auf jeden Fall auf unserer Reiseliste!
Was sonst so außer Wandern in der Rugova-Schlucht so geht? Ziplining, Mountainbiking und Klettersteige laden zu spannenden Outdooraktivitäten ein. Ansonsten ist die Fahrt mit dem Van auf der Straße entlang des Flusses schon ein eigenes Abenteuer für sich! Sehr nett sind übrigens auch die kleinen Berghütten, die an Österreich oder die Schweiz erinnern.




UNESCO-Welterbe: Kunstvolle Klöster im Hochsicherheitsgebiet

Um eines der prächtigsten Weltkulturerbe-Denkmäler im Kosovo zu besuchen -das Decani Kloster- muss man ersteinmal einen militärischen Checkpoint der KFOR passieren. Ehrlich gesagt haben wir recht unvorbereitet dort einen Stopp eingelegt und waren dementsprechend überrascht, wie krass die von einer massiven Mauer umgebene Klosteranlage überwacht wird. Es wurde unser Kennzeichen notiert und beim Einlass mussten wir unsere Pässe sowie Rucksäcke abgeben. Selbst in der Anlage waren Einsatzkräfte unterwegs. Die wirklich netten KFOR-Soldaten erklärten uns, dass es zu ihrer Mission gehört das kulturelle Erbe des Landes zu schützen. Als wir das Kloster mit der mittelalterlichen orthodoxen Kirche betraten fügte sich schnell das Bild zusammen: Das Kloster wird von serbischen Mönchen bewohnt. Das kann und will ich an dieser Stelle nicht bewerten aber ich möchte Euch dennoch kurz von diesem sonderbaren Besuch berichten:



Wir betraten die aus dem 14. Jahrhundert stammende Kirche, welche auf den Überresten einer illyrischen Kirche errichtet wurde. Die Kirche war voller Fresken und Ikonen, es roch nach Weihrauch und Kerzen erhellten das etwas düstere Gebäude. Ich bin absolut nicht gläubig aber in diesem Moment überkam mich unerwartet eine nicht zuzuordnende Ergriffenheit: Ich war total geflasht von der Atmosphäre oder Aura des Ortes!
Später erzählte mir ein Mönch, dass die Kirche über Jahrhunderte hinweg als Refugium für Menschen unterschiedlicher Ethnien diente und unglaublicherweise die Kriege überdauerte.
Als wir durch die alten Mauern liefen, bedacht darauf uns besonders leise zu verhalten, war unser Kleiner damit beschäftigt den Hall der Kirche zu studieren, während der Dreijährige ausprobieren wollte, ob man hier vielleicht besonders gut auf einem Bein hüpfen könnte. In diesem Moment kam ein Mönch auf uns zu und ich erwartete von ihm zurechtgewiesen zu werden. Der Mann begrüßte uns hingegen meiner Erwartungen sehr freundlich, schenkte Nael einen Schokoladenriegel und jedem Kind eine Bienenwachskerze. Er erklärte und zeigte uns einiges in der Kirche und lud uns im Anschluss auf die private Veranda des Klosters zu Getränken und hausgemachtem Blätterteiggebäck ein.

Erstmal einen Kaffee: Die kosovarische Kaffeekultur
Der Kosovo hat zu unserer Freude eine ausgiebige Kaffekultur! An jeder Ecke gibt es ein Café und während unserer Reise werden wir immer wieder auf einen guten Kaffee eingeladen. Aber Achtung: Unter Kaffee versteht man hier einen Espresso! Wer einen Milchkaffee möchte, sollte daher besser einen Latte Macchiato bestellen. Uns wurde außerdem erklärt, dass man Angelegenheiten in einem Café bespricht und wenn man dort zu keinem Ergebnis kommt? Dann geht man eben ins nächste Café!

Was bisher geschah… Ein kulturhistorischer Rückblick
An dieser Stelle entsteht eine kurze kulturhistorische Übersicht…. sobald sich meine Kinder mal dazu entschließen mehr zu schlafen und ich Zeit zum Recherchieren und Schreiben finde. Reinschauen lohnt sich also!



Vielen Dank an Brikena, Ali, Sahit, Tina, Tinas Mama, Alwian, Taulant und all die anderen tollen Menschen, die unsere Kosovoreise zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht haben!








































































