Mit dem Van durch Albanien: Die verwunschenen Berge

Unsere Erkundungstour beginnt im Norden des Landes. Unser Ziel: Die albanischen Alpen. Der Weg dorthin: Abenteuerlich!

Ausblick der Fähre auf die albanischen Alpen

Nach dem wir uns auf der Farm akklimatisiert hatten, wurde uns empfohlen in das Valbona-Tal zu fahren, welches sich tief in den Bergen befindet. Also warfen wir unsere Pläne zunächst an die Küste zu fahren über Bord und brachen auf in Richtung Nord-Osten. Ganz getreu nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ legten wir dabei ein paar nette Stopps ein.

Die Burganlage Rozafa bei Shkoder

Auf einer Anhöhe bei Shkoder befindet sich eine riesige Burganlage aus dem 4. Jahrhundert v.Chr. Der Legende nach ist die Burg nach einer Frau namens Rozafa benannt, welche als Opfergabe in die Festung miteingemauert wurde, damit die Mauern für die Ewigkeit halten. Sie bat nur darum, eine ihrer Brüste nicht miteinzumauern, um ihr Baby weiter stillen zu können. Nun ja, ob etwas an der Sage dran ist oder nicht: Die Reste der über 2000 Jahre alten Burg stehen auf jeden Fall immer noch!

Die Burganlage Rozafa umfasst drei Hof-Areale. Hier zu sehen sind die Reste der Burgkirche

Wie sich herausstellte ist die Burg nicht nur bei Touristen ein beliebtes Ausflugsziel, sondern ebenfalls bei albanischen Schulklassen. Sie fluteten die Anlage geradezu und immer wieder kamen Kinder zu Nael und Yaro, um ihnen Hallo zu sagen und sie zu streicheln. Der Kleine wurde geradezu mit Küsschen überhäuft- und fand es toll! Interessant fanden wir auch, dass die Burg mit lauter albanischer Partymusik beschallt wurde.

Eisbaden in der Drin

Der Weg in die Berge führte uns nach einigem Gekurve und Geholper an den wunderschönen Bergfluss Drin. Nachdem auf dieser abenteuerlichen Strecke auch noch unsere Schranktür aufflog und sich sämtlicher Schrankinhalt im Van verteilt hatte, legten wir eine Mittagspause an einem abgelegnen Drin-Ufer ein. Wir waren dort die einzigen Menschen weit und breit, so dass nur der Wind zu hören war.

Ein Gefühl von Freiheit: Picknick in der Einsamkeit

Bevor wir aber ins Wasser springen konnten, mussten die hungrigen Mäuler gestopft werden. Dabei dürfen natürlich keine lokalen Spezialitäten fehlen! Mit dabei hatten wir an diesem Tag einen interessant aussehenden lilafarbenen Käse. Weil er wirklich so speziell aussah, fragten wir uns, ob das so seine Richtigkeit hat und schauten uns die Verpackung genauer an. Darauf stand geschrieben: Kaçkavall. Ob es das nun besser macht? Der Käse war allerdings sehr lecker und intensiv. Später stellte sich heraus, dass Kaçkavall (Katschkawall ausgesprochen) das albanischen Wort für Käse ist.

Ein Genuss: Deftiger Käse mit Pfefferkörnern

Dann war ich natürlich noch in der Drin drin. Das Bergwasser war zwar zu kalt zum Schwimmen -und mit kalt meine ich eiskalt- aber für eine kurze Erfrischung inklusive After-Sauna-Gefühl war es perfekt. Die Kleinen haben sich auch nicht von der Wassertemperatur abschrecken lassen und haben ein bisschen mit ihren Füßen geplantscht. Am Ufer gab es ganz außergewöhnlich grün-türkiese Steine, mit denen dann noch ausgiebig gespielt wurde.

Mit der Fähre zum Valbona-Tal

Wir entschieden uns dazu die Fähre flussaufwärts zu nehmen, um in das besagte Valbona-Tal zu gelangen. Dazu fuhren wir in das winzige Dörfchen Koman, wo die Straße endete und ein rustikaler Tunnel zum Fährhafen führte. Dort stellte sich heraus, dass der Ticketpreis unser Budget völlig sprengte. Und das, obwohl Yanko noch etwas bei dem Preis verhandeln konnte. Der Chef spendierte immerhin noch eine Runde Getränke und nach dieser Holperpiste (laut Navi fast zwei Stunden für 16 km) dreht man dann auch nicht so einfach wieder um!

Am nächsten Morgen standen wir dank unserer biologischen Wecker* extra früh auf und fuhren mit ihnen für um 7 Uhr zum Fährableger. Und dort beobachteten wir zwei Stunden lang das Spektakel, wie vollgeladene Vans, Autos und Range Rover auf die Schiffe manövriert wurden. Und dann begann eines der absoluten Highlights unserer Reise:

Die Fahrt mit dieser Fähre ist nicht nur einfach eine Tour um von einem Ort zum anderen zu gelangen, nein, sie ist ein faszinierender Trip, um Albaniens wunderbare Schluchten zu sehen. Staunend standen wir die kompletten drei Stunden Fahrt an der Reling oder ganz vorne auf der Laderampe. Wir fuhren entlang gigantischer Felsen auf türkisfarbenem Wasser und ich erwartete jeden Moment die Statuen von Gondor (aus Herr der Ringe) zu sehen.

Für die Kinder war es auch ein aufregendes Ereignis. Nael durfte sogar zum Capitain ans Steuerrad und die Zwerge fanden es ziemlich lustig, wenn wir uns zwischendurch mal kurz in den Bus gesetzt haben.

Das Valbona-Tal und die verwunschenen Berge

Das Valbona-Tal ist nach dem Fluss Lumi Valbonës benannt, welcher mit glasklaren Wasser und der ein oder anderen Stromschnelle durch die Berglandschaft fließt. Aus diesem Grund ist er auch bei Kajakfahrern beliebt. In der Gegend gibt es nicht nur eine atemberaubende Natur zu bestaunen, sondern auch wunderschöne moderne Campingplätze und Restaurants. Zudem gibt es dort auch noch richtig tolle Möglichkeiten zum Freistehen.

Mal als Canyon, mal als flacher Bach: Der Lumi Valbonës

In Albanien ist Wildcampen erfreulicherweise erlaubt! Wir hatten einen traumhaften Fleck gefunden, wo man dem Kuckuck wunderbar hören konnte. Nael fragte mich, wo sich denn dieser Kuckuck versteckt. Als ich im erzählte, dass er sich in den Bäumen versteckt, fragte er mich, mit wem er denn dann da „Guckguck“ spielen würde. Es ist immer wieder spannend zu erleben, wie Kinder sich die Welt vorstellen. Morgens kam auch noch eine kleine Kuhherde mit Hirte zum Grasen auf unsere Wiese. Ich finde es immer wieder unglaublich entspannend den Kuhglocken zu zuhören.

Die App Park4night führt uns an so manchen traumhaften abgelegnen Platz zum Wildcampen

Die Gegend bietet sich auch sehr gut für größere und kleinere Wandertouren an. Ab dem Hotel-Restaurant/Campingplatz Rilindja kann man so beispielsweise eine kleine märchenhafte Wanderung zu einem Tümpel starten. Dort gibt es unter anderem Schlangen und Echsen zu beobachten. Und in dem Restaurant gibt es sehr guten Kaffee! Sehr praktisch für Reisende mit Kindern ist übrigens, dass so ziemlich jede Gaststätte hier einen Spielplatz besitzt!

Der Wanderpfad führte uns zu einem Häuschen aber wer wohnt darin? Die Blairwitch? Oder vielleicht die Baba Jaga?

Uns haben die albanischen Alpen auf jeden Fall in ihren Bann gezogen! Kein Wunder, dass sie von den Einheimischen die verwunschenen Berge genannt werden! Wir wären gerne länger geblieben aber leider zog eine Gewitterfront auf.

Wunderschöne Gebäude und Hütten aus Holz reihen sich im Valbona-Tal aneinander
Der Liqeni Xhemës ist ein glasklarer und kühler Tümpel, der praktischerweise am Wanderweg gelegen ist
Eine blauköpfige Echse versteckt sich am Wegesrand

Als wir weiter Richtung Bajram Curr fuhren und unseren Proviant aufstockten, bekamen wir doch tatsächlich zwei Flaschen Bier geschenkt und eine Hand voll Bonbons für Nael. Wir haben auf unserer Reise wirklich das Glück auf tolle Menschen zu treffen. Aber dazu im nächsten Artikel mehr!

*Anmerkung für Kinderlose: Hier sind die Kinder gemeint!

Mein Kind hat heimweh

Was kann man tun wenn das Kind während der Reise heimweh bekommt? Tipps und ein Erfahrungsbericht, was helfen kann.

Seit zwanzig Tagen reisen wir durch Teneriffa und obwohl unsere Kinder es genießen neues zu entdecken, ist unser Großer seit zwei Tagen unglaublich traurig und schlecht gelaunt. Selbst nachts zeigt er ein ungewöhnliches Verhalten indem er schlafwandelt. Was ist da los? Da er mit seinen dreieinhalb Jahren das Wort und wahrscheinlich auch das Gefühl von heimweh noch gar nicht kennt, musste ich erstmal mit ihm zusammen herausfinden, was überhaupt los ist. Schließlich fanden wir heraus: Er möchte nicht mehr hier sein, er will nachhause zu unserer Katze, zum Kindergarten, in unser Haus. Selbst bei der aufregenden Segelbootsfahrt mit Walen und Delphinen, die wir gestern gemacht haben, schaute er drein wie sieben Tage Regen und fragte mich, warum denn die Leute ihn alle immer anschauen würden. Tatsächlich versuchten die anderen Bootsfahrtteilnehmer ihn aufzumuntern und Späße mit ihm zu machen. Bei seinem Verhalten musste ich an das Kulturschockmodell nach Dubois und Oberg denken.

Kurzer Exkurs: Der Kulturschock

Während eines Auslandsaufenthalts durchlaufen wir mehrere Phasen. Zu Beginn befinden wir uns in der Honeymoonphase: Wir freuen uns riesig auf die Reise, kommen an und sehen erstmal alle positiven Dinge. Sonne, Meer, schöne Architektur, lächelnde Menschen. Darauf folgt eine mehr oder weniger ausgeprägte Krise, ausgelöst durch beispielsweise negative Erfahrungen, Eindrücke oder sprachliche und auch interkulturelle Missverständnisse. In Naels Fall gab es da auch ein Schlüsselereignis: Beim planschen im Pool ist er verbotenerweise vom Beckenrand gesprungen, woraufhin der Bademeister (zu Recht) etwas zu ihm gesagt hatte. Nur konnte Nael ihn sprachlich nicht verstehen und hat es sich wahrscheinlich schlimmer vorgestellt als es eigentlich war. Hinzu kommt, dass ständig zu ihm und dem Baby fremde Menschen kommen, sie berühren und etwas zu ihnen sagen, wie „Que bonito, lindo“. Da kommen bei so einem Kind bestimmt ganz schön viele Eindrücke zusammen, die auch mal irritierend sein können. Auf den Tiefpunkt des Kulturschocks folgt aber dann die Phase einer Erholung, indem wir uns mit den neuen kulturellen Umständen arrangieren und im Idealfall Elemente davon adaptieren. Das kann sehr bereichernd sein. Aber dazu müssen wir es erstmal schaffen aus dem Tief zu gelangen.

Wie wir als Eltern akut unterstützen können

  • Das Kind und seine Gefühle ernst nehmen und besonders viel Aufmerksamkeit und Liebe schenken
  • Dem Kind zuhören und ihm beim Artikulieren seiner Gefühle helfen
  • Manchmal hilft schon ein Videoanruf mit Großeltern oder Freunden aus der Heimat
  • Gemeinsam mit dem Kind überlegen, worauf man sich zuhause besonders freut und was man bis dahin auf der Reise noch sehen oder erleben möchte
  • Sich viel Zeit für Erklärungen nehmen: Warum laufen Dinge hier anders, wie verhalten sich die Menschen vor Ort und was ist die Intension dahinter?
  • Die Möglichkeit schaffen, dass das Kind anderen Kindern begegnen kann (Kinder sind meistens wahre Talente darin sich mit Händen und Füßen zu verständigen)
  • Trost spenden: Vielleicht hilft es ja schon ein bisschen das Lieblingsessen des Kindes zu kochen

Übrigens sind für Kinder Rituale und Routinen super wichtig. Sie bilden einen wichtigen Orientierungsrahmen für sie, der ihnen Sicherheit gibt. Von daher macht es gerade bei Reisen total Sinn Rituale von zuhause weiter zu pflegen. Tischsprüche, Abendroutinen und co verleihen dem Tag in einer fremden Umgebung Struktur und helfen übrigens auch gut sich an Zeitverschiebungen anzupassen.

Und meinem Sohn? Dem geht es heute schon wieder ein bisschen besser. Beim Abendessen fragte er: „Wie heißt nochmal Wasser auf spanisch?“ „Ja, genau Agua… das will ich!“

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑