Whale Watching auf Teneriffa mit Kind und Baby

Kann man den beeindruckenden Meeressäugern auf nachhaltige Weise in ihrem natürlichen Lebensraum begegnen? Wir haben einen Segelboottrip unternommen und berichten hier von unseren Erfahrungen

In Puerto de la Cruz gibt es einen der best bewerteten Zoos der Welt, der besonders für seine artgerechte Haltung gelobt wird. Dort soll es wohl auch schon gelungen sein Arten vor dem Aussterben zu bewahren. Ich habe zwar eine geteilte Meinung über Zoos aber dachte mir zuerst, dass das vielleicht ein schöner Ausflug für die Kinder sein könnte. Aber dann habe ich gesehen, dass dort auch Delphin- und Orcashows abgehalten werden. Orcas? Artgerecht halten? Ernsthaft? Sorry Freunde der Sonne, da hört der Spaß für mich auf!

Wir haben uns dazu entschieden, dass wir unseren Kindern lieber Tiere in freier Wildbahn zeigen möchten, so wie sie wirklich leben. Da trifft es sich natürlich gut, dass zwischen Teneriffa und La Gomera einiges an Meeressäugern unterwegs ist. Eine Population von Pilotwalen ist dort sogar beheimatet. Die Chance diesen Meeresbewohnern bei einer Bootsfahrt zu begegnen ist also relativ hoch.

Die richtige Auswahl des Touranbieters

Boote mit einer gelben Flagge und dem Titel Barco Azul sind zertifizierte Boote, welche sich an ethische Richtlinien des Whale Watchings halten. The Atlantic Whale and Dolphin Foundation unterstützt außerdem ausgewählte Boote mit ihrem Wissensschatz. Eine Auflistung solcher Boote findet man auf der Webseite der Organisation Fair Earth

Was man sonst noch bei der Planung beachten sollte? Wenn man mit kleinen Kindern unterwegs ist, sollte man abklären, ob das Boot runtherum geschlossen ist und ob es auch schattige Plätze bietet. Außerdem würde ich mich im Nachhinein für ein Boot mit weniger Passagieren entscheiden. Meistens werden zwei-, drei- und fünfstündige Touren angeboten. Gerade mit Kindern reichen unserer Meinung nach kürzere Trips aus, da die Wahrscheinlichkeit wirklich hoch ist Tiere zu sehen und sich der Schwerpunkt bei längeren Fahrten sonst Richtung Animation und Party ändert. Und zuletzt sollte man natürlich ein Datum wählen mit schönem Wetter, niedrigem Wellengang und wenig Wind.

Ein Pilotwal und seine Wasserfontäne

Ein außergewöhnliches Erlebnis

Für unseren Bootstrip haben wir uns ein Holzsegelboot ausgesucht, da der Große gerade viel Pirat spielt. Also haben wir uns aufgemacht auf eine fünfstündige Bootstour mit Baby in der Trage, Nael an der Hand, viel Sonnencreme und großen Erwartungen. Trotz Corona wurde die Kapazität des Bootes ziemlich ausgelastet aber wir waren zum Glück früh da und konnten einen Platz ganz vorne auf Deck ergattern. Schnell stellte sich dann heraus, dass sich die Tour trotz gelber Flagge eher in Richtung Partyschifffahrt entwickelte: Die Crew mixte Sangria, legte Musik auf und quatschte fast ununterbrochen ins Mikrofon. Das war zwar nicht unbedingt das, was wir uns unter einer nachhaltigen Whale Watching Tour vorgestellt hatten aber immerhin kam Nael auf seine Kosten, indem er eine Piraten-Augenklappe bekam und ans Steuerrad durfte.

Und dann kamen die Delphine. Es war eine ganze Gruppe. Einige von ihnen kamen direkt ans Boot und schwammen und sprangen neben uns her. Und als wir dachten, dass es nicht mehr besser werden könnte, tauchten neben uns zwei Pilotwale auf. Auch sie kamen so unglaublich nah an uns heran, dass ich fast die Hand nach ihnen hätte ausstrecken können. Im Gegensatz zu den Delphinen waren die Pilotwale langsam und entspannt unterwegs. Sie tauchten gemächlich auf und ab und ließen jedes Mal eine kleine Fontäne aus dem Wasser spritzen. Allein das Geräusch davon ist irgendwie schon episch. Auch Nael war tief beeindruckt…aber wohl nicht ganz so sehr wie ich. Während ich so ergriffen war, dass mir fast die Tränen in die Augen kamen, fragte Nael mich: „Wann gibt es hier denn endlich mal was zu essen?“. Und Yaro? Der hat natürlich die Wale verschlafen. Anscheinend wirken Wellen ganz beruhigend auf Babys. Dafür hat ein Mann der Crew am Ende Essensreste an Möven verfüttert, die von überall angeflogen kamen. Das war auf jeden Fall schon aufregend genug für den kleinen Zwerg.

So haben wir gemeinsam unser erstes Familien-Meeresabenteuer erlebt.

Elternzeit auf Teneriffa

Wir verbringen einen Monat unserer Elternzeit, die wir fürs Reisen mit unseren zwei Söhnen nutzen, auf der Atlantikinsel Teneriffa. Erfahrt hier, was wir auf den Kanaren erleben und wie das Leben dort aussieht.

Eine gute Freundin fragte mich kurz vor der Abreise, was wir denn auf so einer hässlichen Insel wie Teneriffa wollen würden. Sie wäre vor vielen Jahren mal dort gewesen und es wäre so karg und zugebaut gewesen. Hier nun meine Antwort darauf: Wir wollen Vulkane umwandern, in Naturgesteinpools schnorcheln, mit den Kindern gigantische Sandburgen aus Lavasand bauen, Drachen- und Feenbäume anschauen und Walen in ihrem natürlichen Lebensraum begegnen.

Von Süd nach Nord durch das Tenogebirge

Das Tenogebirge trennt den Norden vom Süden, wodurch zwei verschiedene Klimazonen entstehen. Der Süden ist sonnig und trocken, der Norden etwas kühler und grüner.

Unsere Reise startet im Süden Teneriffas, aus dem Grund, dass unsere Airline nur Teneriffa Süd anfliegt. Unser Ziel ist allerdings der Norden der Insel, wo sich auch ein Flughafen befindet. Da wir nun bis zu unserer ersten Unterkunft in Buenovista del Norte eine Fahrt von ca. anderthalb Stunden zurück legen müssen und neben den zwei kleinen Kindern auch einiges an Gepäck dabei haben, greifen wir auf einen Mietwagen zurück. Da kriegen wir auch gerade so den Buggy, die zwei Koffer (einer davon fast ausschließlich für Stoffwindeln), den Rucksack und das Kameraequipment unter. Wir haben mit dem Mietwagen im Vorhinein auch zwei Kindersitze geordert, wobei wir uns mit dem „Babysitz“ ein bisschen schwertun. Beim nächsten Mal würde ich definitiv die Babyschale mitnehmen. Die Dame von der Autovermietung erklärt zwar, dass die Polizei hier nicht so strikt kontrollieren würde, aber das ist ehrlich gesagt nicht der Grund, weshalb wir Kindersitze verwenden!

Sobald wir losgefahren sind, schlafen schon die Kinder und uns macht die Hitze zu schaffen. Wir müssen uns wohl erstmal akklimatisieren, immerhin kommen wir aus dem eisigen Deutschland bzw. Luxemburg. Die Zeitumstellung von einer Stunde macht uns da nicht so viel aus… das denken wir auf jeden Fall, bis uns die Kinder einen Strich durch die Rechnung machen. Die nächsten Tage werden sie schon zwischen 3:30 Uhr und 4:00 Uhr morgens aufwachen.

Als wir durch die karge und eher unschön bebaute Gegend des Südens fahren, muss ich an meine Freundin denken: Hatte sie wirklich Recht? Gigantische Hotelkomplexe, Bauruinen, ummauerte Bananenplantagen. Ist das alles? Nein, ist es nicht! Um in den Norden der Insel zu gelangen müssen wir durch das Tenogebirge fahren und es ist wunderschön! Wir machen mehrere Stops, um die Aussicht zu genießen, die frische Bergluft einzuatmen und um Kakteen und gigantische Agaven zu bewundern.

Nach langem kurvenreichem auf und ab erreichen wir schließlich das Örtchen Buenovista del Norte (schöner Ausblick des Nordens). Hier ist es tatsächlich üppiger als im Süden. Die Adresse unserer Unterkunft führt uns zwar immer wieder zu Bananenplantagen aber nach einem kurzen Telefonat auf gebrochenem Spanisch mit unseren Gastgebern finden wir schließlich das kleine orange-rote Häuschen, in dessen Einliegerwohnung wir für die nächsten Tage wohnen werden.

Hola chiquitito! Unsere typisch kanarische Unterkunft

Buenavista del Norte und raue Felsenstrände

Buenavista del Norte ist eine kleine verschlafene Stadt im Nordwesten Teneriffas mit einem sehr schönen Stadtkern. Hier ist der Massentourismus glücklicherweise noch nicht angekommen, obwohl es um den Ort herum viel zu entdecken gibt. Samstagvormittags gibt es auf der Plaza de los Remedios einen winzigen Wochenmarkt, wo wir uns endlich mit Bio-Obst und Gemüse eindecken können. Es ist nämlich ansonsten gar nicht so einfach an Bio- oder Vollkornwaren zu gelangen. Es gibt hier außerdem selbstgemachten Ziegenkäse- eine lokale Spezialität.

Playa de las Arenas, ein schöner Ort, um wilde Natur zu genießen

Die Umgebung von Buenavista erkunden wir durch kleine Wanderungen. Wer weiße Sandstrände sucht, ist hier falsch. Aber wer der Natur näher kommen möchte, so wie wir, der ist hier genau richtig. An unserem ersten Tag spazieren wir entlang der Playa de las Arenas. Es ist beeindruckend dort die Wellen anrollen und an den Felsen bersten zu sehen. Beide Kinder finden das super spannend aber Nael ist traurig, dass der Sandstrand nicht da ist, der eigentlich da sein sollte und er nicht baden kann. Nach einer kurzen Recherche finden wir heraus, dass der Playa de las Arenas nur im Sommer Sand innerhalb der Felsbucht hat. Im Herbst wird dieser wieder von den Fluten weggespült. Schade. Das macht aber nichts, denn über die Felsen führt ein schön ausgebauter kleiner Weg, gesäumt von Kakteen, Agaven und anderen schönen Pflanzen. Und Nael freut sich auch über die vielen Lavasteine, auf die er klettern kann.

Der Natursteinpool in Los Silos lädt zum Baden ein

An einem anderen Tag machen wir uns auf den Weg in den Nachbarort Los Silos. Dort gibt es einen steinigen Surferstrand, einen Naturpool und ein gigantisches echtes Walskelett.

Von Feen- und Drachenbäumen

Unser Großer, der mit seinen dreieinhalb Jahren ja immer noch recht klein ist, muss manchmal ein wenig zum wandern motiviert werden. Doch zum Glück hält Teneriffa magisch anmutende Natur bereit. Oberhalb gelegen im Naturpark Corona Forestal befinden sich märchenhafte Pinienwälder. Die kanarischen Pinien sind mit langen hinunterhängenden Flechten bewachsen, so dass sie wie Feenbäume aussehen. Mein Sohn schwört außerdem darauf einen Zwergenbart aus einer Baumspalte heraushängen gesehen zu haben. So laufen wir also durch die Wälder auf der Suche nach Feen, Elfen und Zwergen. Manchmal findet Nael aber auch besondere Äste, die dann als Schwert, Besen oder was er sonst gerade so zum Spielen benötigt, genutzt werden.

Wolken ziehen durch den Corona Forestal

Aber nicht nur Feenbäume kreuzen unsere Wege. Auf Teneriffa gibt es sogar auch Drachenbäume. Ein ganz besonders altes und somit auch großes Exemplar befindet sich in Icod de los vinos: Der Drago Milenario wird auf bis zu 1000 Jahre geschätzt. Sein tatsächliches Alter kann jedoch nicht festgestellt werden, da der Drachenbaum keine Jahresringe bildet (genaugenommen handelt es sich nämlich gar nicht um einen Baum, sondern um eine baumartige Pflanze). Wir finden den Baum beeindruckend aber fast noch besser gefällt uns die botanische Gartenanlage, in welcher sich el Drago befindet. Unser Baby hat allerdings nur Augen für die Hühner, die hier frei herumlaufen.

Schau in den nächsten Tagen nochmal vorbei, um über unsere Highlights – die Vulkanwanderung und das Whale Watching- zu lesen

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